Selfmade: Lebenslanges Lernen – True That #2

13 Jahre in der Schule. Vorschule bis zur Maturaklasse. Nie wiederholt. Einmal eine Nachprüfung. Eine Klausel bekommen. Die Nachprüfung trotzdem gemacht und diese auch geschafft. Physik eine Null, Deutsch und Französisch immer ein Spaziergang. Journalismus als Traum Studium ausgesucht.

Doch dann kam der Tag an  dem ich zuhause ausziehen musste, noch zur Schule ging, ohne einem Dach über dem Kopf und keine finanzielle Unterstützung erhalten habe.  btw I love you Republic of Austria

Kein Ziel vor Augen und nicht gewusst welches Amt für welches Ansuchen das richtige war, keine Ahnung davon welche Unterstützung mir zu steht, das eigene Lebensende vor Augen, weil aus all dem kein Notausgang zu sehen war. Keine Perspektive mehr, denn darauf hat mich keiner vorbereitet. Darüber hat mich niemand in den 13 Schuljahren informiert.

Wie organisiere ich mein Leben?

Ein Jahr mit 170,00 € im Monat, gelegentlichen großzügigen Unterstützungen meiner damaligen Schwiegermutter und den guten Momenten meines alkoholkranken Vaters leben. Spreche ich heute darüber, dann mit einer kraftvollen Stimme, denn es ist nun mal wie es ist, ich kann es nicht ändern und ja unsere Jahre sind ein lebenslanges Lernen.

Nun weiß ich, dass mir als Schülerin natürlich eine entsprechende Unterstützung zugestanden wäre, ich meine Matura, ohne nebenbei einem 40 Stunden Job nachzugehen, ordentlich abschließen hätte können oder nach einer einmalig größeren finanziellen Belastung die restlichen 30 Tage vom Taschengeld meines Exfreundes (damals natürlich noch meinem Freund) leben muss.

Doch so ist es nunmal im Laufe der Jahre. Ein lebenslanges Lernen. Die Dinge, welche eine wahrhaft große Herausforderung darstellten sind letzten Endes jene gewesen, auf die mich niemand vorbereiten konnte, doch an denen ich am meisten gewachsen bin.

Heute? Heute sind es Kundengespräche, Vorstellungsrunden bei Seminaren, Workshops und Meetings oder 15 Sekunden Pitches (die ich in spätestens 10 Jahren sicher nie wieder mache). Der Weg dahin war alles andere als einfach, doch im Nachhinein würde ich es mir nicht anders wünschen, denn dadurch hab ich sehr viel dazu gelernt.

1. Lebenslanges Lernen: Auch Freunde können Familie sein

Die Ausgangssituation: Kein Geld, kein Abschluss, kein Zuhause klingt wohl anfangs nicht rosig. Naja, es ist noch immer nicht empfehlenswert. Doch obwohl ich nichts hatte, hatte ich doch ein bisschen etwas.

Zwei gute Freundinnen. Einen Freund. Empathische Menschen, die mich nicht aufgeben wollten.

An dieser Stelle möchte ich mich bei euch bedanken, wo auch immer ihr heute seid. Ich weiß, ich hab’s bestimmt schon mal gemacht, aber noch nicht so. Nicht offiziell. Dank euch bin ich heute genau da wo ich sein will. Ihr habt mir ein Zuhause angeboten, als ich es am meisten gebraucht habe, mir Liebe entgegengebracht und mich akzeptiert.

Ich habe lange innere Konflikte mitgeschleppt, welche vor allem eines betrafen: Alleine zu sein und zu akzeptieren, dass nicht alles wie bei allen anderen sein muss. Normalerweise haben Kinder Eltern und diese sind dann für sie da. Ich musste lernen, dass es nicht so sein MUSS. Es darf auch anders sein. Wir sind alle Individuen, meine Mama, mein Papa und ich sind anders als deine Mama, dein Papa und du. Das zu lernen, aber vor allem zu akzeptieren, war sehr schwierig, denn es bedeutete, weder mir böse zu sein, weil ich jemand anderes als “Familie”  bezeichnete, aber auch nicht traurig, weil meine mich nicht so behandelt als wäre ich ihre.

2. Lebenslanges lernen: Ja zu neuen Möglichkeiten

Ich war aber immer schon ein aufgeschlossener Mensch. Offen für andere Perspektiven, verschiedene Lebensweisen, neues Wissen und für unkonventionelle Wege. Stets bereit mir Dinge anzueignen, wenn sich die Möglichkeit ergibt, denn von jeder kann ich auf irgendeine Weise profitieren. Doch was mich lange verfolgt hat war, dass ich meinen Traum, Journalismus zu studieren, nicht erfüllen konnte.

Meine erste Mentorin, selbst eine selfmade Frau und in der Marketing Branche tätig, entdeckte sehr bald schon meinen Instagram Account (war das vor 4 Jahren?). Kurz daraufhin fragte sie, ob ich die social Media Accounts unseres Unternehmens in ihrer Urlaubspause übernehmen würde. Dazu hab ich natürlich nicht nein gesagt. Neben meiner normalen Arbeitszeit ging ich nach Feierabend, in der Mittagspause oder dazwischen fotografieren. Ich bearbeitete die Fotos in meiner Freizeit und die Texte fertigte ich zuhause an. Ausbeuterisch? Für mich war es eine neue Möglichkeit, Erfahrungen zu sammeln und einen Schritt in eine neue Welt zu machen, jenes Universum, welches mich noch immer nicht losgelassen hat und mich jeden Tag etwas mehr einnimmt. The social web.

Ich habe begriffen, dass ein lebenslanges Lernen oftmals erfordert in unpassenden Momenten JA zu sagen, um so genau dahin zu kommen, wohin man hingehört.

3. Lebenslanges lernen: Ein Ziel, mehrere Wege.

Von dem ersten social Media Post an war mir eines klar: In diesem Bereich möchte ich zukünftig arbeiten. Damals war dieser Teil des Online Marketing im deutschsprachigen Raum noch keine lauwarme Brühe, bei der jeder ein bisschen mitmischte. Ich wollte unbedingt eine Ausbildung, ein Praktikum, einen Lehrgang oder ja, sogar eine Lehre absolvieren. Leider fand ich einfach kein passendes Angebot. Mit meiner Mentorin hab ich oft darüber gesprochen und auch erklärt was die Möglichkeiten sind, aber dass mich nichts davon überzeugt.

1. Irgendwas mit Wirtschaft, Publizistik oder Journalismus studieren  – das dauerte mir zu lange, denn bis dahin hätte sich schon wieder alles verändert 2. Einen sauteuren Lehrgang absolvieren, bei dem ich am Ende ein online Zertifikat erhalte, mit dem mich vermutlich jeder zukünftige Arbeitgeber fragend angesehen hätte.

Die entscheidenden Worte kamen dann von meiner Mentorin: “Ich habe auch nicht studiert, sondern einfach mal  gemacht”. Das hat mich dazu veranlasst, es nicht zu machen, wie alle anderen (zu studieren), sondern einen anderen Weg einzuschlagen. Ich wollte mich von anderen abheben und das konnte ich nur, wenn ich die Dinge anders mache. Dabei habe ich gelernt, dass nicht nur ein Weg zum Ziel führt, sondern mehrere. Manch einer mag härter, steiniger und länger sein als der andere, doch man kommt an.

3. Lebenslanges lernen: Von nichts kommt nichts

Alles was ich heute im Social Media & Content Marketing weiß, habe ich mir step by step selbst gelernt. Fast 4 Jahre lang. Ich saß bis 2:00 oder 3:00 Uhr morgens an meinem Notebook und hab mir Konzepte durchgelesen, Tutorials angesehen, frei zugängliche Universitätsunterlagen studiert, Zusammenfassungen erstellt, an englischsprachigen Webinaren teilgenommen, etc. Nebenbei hatte ich einen Vollzeitjob, war jeden Tag trainieren und hab mich Low Carb ernährt (erhöhter Kochaufwand), aber ich wusste wo ich hin will und hab mich jeden Tag dafür motiviert.

4. Lebenslanges lernen: Offenheit

Ich weiß zwar schon einiges, doch auch nicht alles. Veranstaltungen, bei denen der Titel eigentlich schon verrät, dass es nicht neues sein kann, besuche ich trotzdem. Bücher die nicht vielversprechend wirken, lese ich. Menschen, die meine Konkurrenz sind, frage ich. Personen, welche in der selben Branche tätig sind wie ich, können mir helfen, genauso wie ich ihnen beiseite stehen kann. Für mich geht es nicht darum jemanden schlecht zu machen, sondern, wenn ich die Beste in etwas sein will, einfach besser zu sein, aber trotzdem meine Erfahrungen und mein Wissen mit anderen zu teilen.

Es gibt viele Arten und Wege sich selbst etwas beizubringen. Wichtig ist lebenslanges Lernen um einen Stillstand zu verhindern. Sei es durch Reflexion, Bücher lesen, Podcasts, Austausch mit anderen oder Recherche.

Durch das Teilen meiner Erfahrung möchte ich grundsätzlich eines sagen: Nichts ist unmöglich und man lernt ständig dazu. Offenheit neuen Dingen gegenüber ist so wichtig, denn manches Mal sind es genau diese, welche uns dann dort hin bringen, wo wir hingehören.

True That by Lis & Jules ist ein neues Format von Julia und mir. Ein Platz für Wahrheit, Erfahrung und Wissenschaft und sonst nichts. Bei True That #2 erzählen wir von unseren Erfahrungen und Auffassungen zu lebenslangem Lernen. Julia teilt auf Ihrem Blog mit, wie sie sich abseits vom Unistress weiterbildet und was es für sie bedeutet ständig neues Wissen zu erhalten.

Gefällt dir True That? Zu den ersten Beiträgen dieser Serie kommst du hier und hier . Hast du Vorschläge für das nächste Thema? Schick uns, mir, ihr doch einfach eine Nachricht.

 

Vielen Dank, dass du dir Zeit genommen hast und bis bald

Alissa S.

6 Comments

    1. Alissa

      Hey Jenny, danke für’s Lesen! Ich freu mich, dass dir der Schreibstil zusagt das kenne ich selber von anderen Bloggern und da liest man einen Beitrag noch viel lieber 🙂

  1. Nicole

    Ich liebe es Lebensgeschichten von Menschen zu lesen bzw mir anzuhören, weil jeder seine eigene hat und die meisten auch ein Päckchen zu tragen haben was man durch das Äussere nicht wissen kann.
    Du bist toll Alissa!! Mach weiter so, ich geniese jedes einzelne Wort 🙂

    Bussi Nicole (IG: nickmaao)

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